VORWORT DES CEO

Vor einem Jahr hatte ich Sie an dieser Stelle darauf eingestimmt, dass 2016 ein herausforderndes Jahr werden würde. Wir hatten erwartet, dass der nordamerikanische Truck- und Trailermarkt im Jahr 2016 nach drei Rekordjahren in Folge einen Normalisierungskurs einschlagen würde. Wie Sie wissen, ist es nicht bei einer Korrektur geblieben. Vielmehr musste der nordamerikanische Markt, gemessen an der Produktion schwerer Class-8-Trucks einen empfindlichen Rückgang von fast 30% hinnehmen. Auch andere wichtige Transportmärkte wie Australien, Russland und Brasilien sowie im zweiten Halbjahr die Türkei präsentierten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 aus unterschiedlichen Gründen schwach. Vor diesem Hintergrund bewerten wir unsere Geschäftsentwicklung positiv. Unter Berücksichtigung des Verkaufs der Produktlinie Aerway und vor Währungskurseffekten haben wir unseren Umsatz stabil gehalten. Mit einer bereinigten EBIT-Marge von 8,7% haben wir unsere Ziele für das Geschäftsjahr 2016 nicht nur erreicht, sondern uns auch klar von der Entwicklung in unserer Branche abgesetzt. Unsere Aktionäre wollen wir daher auch für das abgelaufene Jahr wieder angemessen am Unternehmenserfolg beteiligen. Wir schlagen der Hauptversammlung am 27. April 2017 daher eine um 10% erhöhte Dividende von 0,44 Euro je Aktie vor.

Was ist unser Erfolgsrezept? Seit Jahren richten wir SAF-HOLLAND konsequent auf Kostenführerschaft und strukturelles Wachstum aus, indem wir uns mit unseren Lösungen, wie zum Beispiel bei Achssystemen mit Scheibenbremsentechnologie, im Leichtbau oder mit Speziallösungen wie der SAF TRAK frühzeitig im Markt positionieren und so versuchen, unseren Umsatz im Fahrzeug stetig auszubauen und gleichzeitig Marktanteile zu gewinnen.

Zudem optimieren wir Schritt für Schritt unsere internen Prozesse und Strukturen. Nachdem wir im Vorjahr die Konsolidierung des europäischen Werksverbunds erfolgreich abschlossen haben, haben wir im Jahr 2016 den Fokus auf die Umsetzung der neuen Konzernstruktur nach Regionen und die Bündelung unserer Einkaufsaktivitäten innerhalb des Konzerns gelegt. Darüber hinaus konnten wir – auch durch ein verbessertes Working-Capital-Management – unseren Free Cashflow deutlich steigern und unsere Nettoverschuldung – trotz der Übernahme des brasilianischen Spezialisten für Federungssysteme KLL und der Zahlung einer um 25% gesteigerten Dividende für 2015 – auf weniger als 100 Mio. Euro zurückführen.

Ich hatte Ihnen im vergangenen Jahr an dieser Stelle auch unsere „Strategie 2020“ vorgestellt, nach der wir unseren Umsatz bis zum Jahr 2020 auf rund 1,5 Mrd. Euro ausbauen wollen. Ein wesentliches Element dieser Strategie ist externes Wachstum über Joint Ventures, Kooperationen und Zukäufe. Im vergangenen Jahr hatten wir ein Übernahmeangebot für den schwedischen Anbieter von Bremssystemen und Modulen für Luftfederungen Haldex AB unterbreitet. Ziel des Angebots war es, einen integrierten Champion für fahrwerksbezogene Komponenten für Nutzfahrzeuge zu schaffen. Nachdem kurz darauf zwei weitere Bieter mit deutlich höheren Offerten für Haldex auftraten, haben wir uns dazu entschlossen, Finanzdisziplin zu wahren und uns an keinem Bieterwettstreit zu beteiligen. Wir haben unser Angebot nicht erhöht und schließlich zurückgezogen. Diese Entscheidung war Ausdruck unserer festen Überzeugung, dass Übernahmen nicht nur strategisch passen müssen, sondern sich auch unter finanziellen Gesichtspunkten rechnen müssen. Der Umstand, dass wir bei Haldex nicht zum Zug kamen, ist zwar unbefriedigend, wird uns aber nicht vom Erreichen unserer Ziele für 2020 abbringen. Einen ersten Schritt auf diesem Weg haben wir mit der bereits erwähnten Übernahme von KLL in Brasilien vollzogen. Weitere Schritte werden folgen. Daran arbeiten wir auch 2017 mit Nachdruck. Ich kann Ihnen versichern, dass wir auch bei zukünftigen Akquisitionen unsere M&A-Prinzipien nicht aus den Augen verlieren und weiterhin im besten Interesse unserer Aktionäre handeln werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Jahres 2017 wird auf der Umstrukturierung unserer Aktivitäten in Nordamerika liegen. Wir wollen uns effizienter, flexibler und vor allem näher an unseren Kunden aufstellen und unsere Lieferzeiten verbessern. Dazu werden wir unsere Strukturen zentralisieren und unsere Fertigungskapazitäten von derzeit sieben auf fünf Produktionsstandorte konzentrieren. Mit Abschluss der bereits angelaufenen Umstrukturierungsmaßnahmen werden wir unsere direkte Kostenbasis im mittleren einstelligen Millionen-US-Dollar-Bereich jährlich reduzieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit des nordamerikanischen Produktionsverbunds langfristig sicherstellen.

Marktseitig erwarten wir auch 2017 eine regional stark unterschiedliche Entwicklung, die in einigen Märkten von schwer einzuschätzenden politischen Unwägbarkeiten geprägt ist. Das Marktumfeld in Nordamerika, Brasilien und Teilen des Mittleren Ostens wird 2017 anspruchsvoll bleiben und sich voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte aufzuhellen beginnen. Positiv auf unser Geschäft könnten sich dabei sicherlich die in den USA derzeit diskutierten Steuersenkungspläne und Infrastrukturpakete auswirken. Für Europa erwarten wir eine anhaltend gute Entwicklung. Alles in allem trauen wir uns dieses Jahr zu – getragen von dem Gewinn von Marktanteilen, Einführung neuer Produkte und dem Anlaufen interessanter Großaufträge –, den Konzernumsatz zu konstanten Währungskursen und bei gleichem Konsolidierungskreis auf 1.060 bis 1.090 Mio. Euro auszubauen. Die um Sondereffekte bereinigte EBIT-Marge soll 2017 erneut in der Bandbreite von 8 bis 9% liegen, wobei aus heutiger Sicht, unter Berücksichtigung der vorgesehenen Vorleistungen für die Umsetzung der Wachstumsstrategie 2020, tendenziell eher die Mitte der Bandbreite zu erwarten ist.

Im Namen meiner Kollegen im Management Board möchte ich an dieser Stelle allen Aktionären und Bondholdern für das Vertrauen in unser Unternehmen danken. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Mitarbeitern, den Arbeitnehmervertretern sowie insbesondere unseren Kunden, Lieferanten und Technologiepartnern für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit, die den langfristigen Unternehmenserfolg bei SAF-HOLL AND erst möglich macht. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns auf dem vor uns liegenden Weg weiter begleiten und die nächsten Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte mit uns gemeinsam aufschlagen.

Ihr

Detlef Borghardt
CEO / Mitglied im Board of Directors