Aufbruch­stimmung

Mit der „Strategie 2020“ setzt SAF-HOLLAND auf die Kombination von organischem und externem Wachstum. Joint Ventures, Kooperationen und Akquisitionen sollen ergänzend dazu beitragen, das Wachstum in neuen Regionen und mit neuen Produktgruppen voranzutreiben. Mit der Akquisition von KLL setzt SAF-HOLLAND diese Strategie für Südamerika antizyklisch um. Obwohl derzeit von der Krise gezeichnet, zählt die Region mit mehr als 400 Millionen Einwohnern zu den mittelfristig wachstums­trächtigsten Transportmärkten weltweit.

Rio Grande do Sul
Brasilien
KLL Equipamentos para Transporte Ltda
Rogério Ramos (links) und Juarez Keiserman
Gemeinsame Arbeit an der Integration
Luftfederung und Achse
Komplettsystem jetzt auch aus Brasilien

Wer sich São Paulo aus der Luft nähert, der merkt sofort, dass mit der Transportbranche Brasiliens etwas nicht stimmt: Die Fuhrparks der um den Flughafen angesiedelten Spedi­tionen stehen voll. Dicht an dicht reihen sich dort die Lkw aneinander. Normalerweise sind die Speditionsparkplätze wochentags leergefegt, weil alle Fahrzeuge im Einsatz sind. Auch wer São Paulo in Richtung der Hafenstadt Santos verlässt, sieht überall Krisenanzeichen: Die Anchieta-Autobahn führt durch die am stärksten industrialisierte Region Brasiliens. Doch viele Firmen sind geschlossen und es hängen Verkaufsschilder an den Werkstoren. Bei den Autoherstellern wie Volkswagen und Mercedes reihen sich die unverkauften Fahrzeuge in den Fabrikhöfen. Selbst Staus sind selten geworden. Brasilien steckt in einer schweren Wirtschaftskrise. Um 7% ist das Bruttoinlandsprodukt seit 2014 geschrumpft. Auch die Transportbranche leidet unter der Rezession. 2011 wurden in Brasilien noch 207.400 Lkw und Busse verkauft. Fünf Jahre später waren es den Prognosen des Hersteller­verbandes Anfavea zufolge nur noch 67.000, ein Rückgang um 67%.

Warten auf den Aufschwung
Langfristig steigt die Nachfrage
„Der Markt für Luftfederungen steht in Brasilien noch ganz am Anfang, doch der Trend ist nicht mehr umzukehren.“ Juarez Keiserman, Geschäftsführer KLL

Das Amazonasland scheint derzeit wenig attraktiv zu sein für Investoren der Transportbranche – könnte man meinen. Doch SAF-HOLLAND hat dieses Jahr 57,5% der Anteile am brasilianischen Unternehmen KLL Equipamentos para Transporte Ltda übernommen. Der Hersteller von Federungssystemen für Lkw, Busse und Trailer sitzt in Alvorada, Rio Grande do Sul – genau dort, wo die großen brasilianischen Speditionen und viele Lkw-­Zulieferer ihren Sitz haben. Rogério Ramos, Geschäftsführer der brasilianischen Tochter­gesellschaft von SAF-HOLLAND, hält die Krise für den optimalen Zeitpunkt, um die Aufstellung des Konzerns in Südamerika zu verstärken: „Wir investieren bewusst antizyklisch in den größten Transportmarkt Südamerikas mit mehr als 200 Millionen Menschen.“

Traditionsmarke
Seit 28 Jahren ist KLL in Brasilien aktiv
Produktion in Alvorada
Kapazität für künftiges Wachstum

Mit der Übernahme von KLL hat sich SAF-HOLLAND einen deutlich breiteren Zugang zum brasilianischen Markt geschaffen, als das alleine möglich gewesen wäre. „Gemeinsam mit KLL können wir direkt ins Geschäft mit den Truck-Herstellern einsteigen“, erläutert Ramos. Denn KLL ist ein Traditionsunternehmen in der Branche, das die führenden Bus- und Lkw-Hersteller direkt beliefert. Gemeinsam wollen die beiden Zulieferer nun vor allem den Markt für Luftfederungssysteme bei Bussen und Lkw ausbauen. „Der Markt für Luftfederungen steht in Brasilien noch ganz am Anfang“, beobachtet Juarez Keiserman, der KLL vor 28 Jahren gegründet hat und eine führende Position im Verbund der SAF-HOLLAND-Gruppe einnehmen wird. Noch sind auf den Fern­straßen Brasiliens Trucks mit quietschenden Blattfedern alltäglich. So sind derzeit nur rund 16% der Nutzfahrzuge Brasiliens mit Luftfederungen ausgestattet. In der Europäischen Union sind es 95%. Doch Keiserman ist zuversichtlich: „Der Trend ist auch in Brasilien nicht umkehrbar.“

Derzeit prüfen Keiserman und Ramos, wie SAF-HOLLAND und KLL in Brasilien ihre Produktionen integrieren können, um die Effizienz zu steigern. SAF-HOLLAND ist seit zehn Jahren mit einer eigenen Produktionsstätte in Brasilien vertreten. Am Standort in Jaguariúna, 130 Kilometer von São Paulo entfernt, produziert der Konzern bisher vor allem Achsen. KLL ist deutlich größer: Die Fertigung in Südbrasilien steht auf einem Firmengelände mit der Größe von sieben Fußballfeldern. Bis 2013 arbeiteten dort 340 Mitarbeiter. Jetzt sind es noch 200. Die Krise hat auch KLL erwischt. Bei den Federungen für Trailerachsen brach die Produktion um knapp zwei Drittel ein. „Und dabei haben wir unseren Marktanteil sogar erhöhen können“, sagt Keiserman.

Mit dem kombinierten Produktportfolio der beiden Unternehmen hofft Ramos nun, den Marktanteil bei der nächsten Konjunkturer­holung noch weit schneller steigern zu können. „Wir können die gesamte Produktpalette aus den USA und Europa auch in Brasilien an­bieten “, sagt Ramos. „Doch nun können wir sie an die Erfordernisse des hiesigen Marktes anpassen.“ Denn die Bedingungen in Brasilien sind anders als in Europa: Die Straßen sind weitaus schlechter. Große Teile des brasilianischen Fernstraßennetzes bestehen aus zwei­spurigen Trassen voller Schlaglöcher. Viele Verbindungen führen über nicht geteerte Straßen. Wegen der Größe des Landes ist ein Qualitätsservice in den Werkstätten nur in Ballungszentren an der Küste garantiert. „Wir müssen die Produkte aus Europa tropikali­sieren“, sagt Keiserman. Damit öffnet sich für SAF-HOLLAND von Brasilien aus zusätzliches Marktpotenzial: Denn der Konzern will in Brasilien auch Produkte für andere Emerging Markets entwickeln, in denen ähnliche Anforderungen gestellt werden und ähnliche Infrastrukturbedingungen vorherrschen wie in Südamerika.

Präzision zählt
Automatisierte Messung der Bauteilqualität
„Bei den geringsten Anzeichen einer Stabilisierung werden die Lkw-Betreiber wieder in ihre Flotte investieren.“ Rogério Ramos, Geschäftsführer SAF-HOLLAND do Brasil

In Brasilien könnte sich der Markt nach Jahren der Krise bald erholen: Die Zinsen sinken. Die Wirtschaft soll 2017 wieder leicht wachsen. Die Krise hat das Durchschnittsalter der Lkw-Flotte spürbar erhöht. Ramos prognostiziert: „Bei den geringsten Anzeichen einer Stabilisierung werden die Lkw-Betreiber wieder in ihre Flotte investieren.“ Experten vom Fahrzeugverband Anfavea erwarten, dass der Markt für Nutzfahrzeuge deutlich stärker zulegen wird als die Wirtschaft insgesamt. Auf 10% Zuwachs im Nutzfahrzeugmarkt hofft die Branche für 2017. „Wir sind optimistisch“, heißt es bei dem Händler einer großen Nutzfahrzeug-Marke. „Zum ersten Mal seit längerer Zeit erhalten wir wieder Kundenanfragen.“

Typisch KLL: Robuste Luftfederungen
  • für Heavy- und Medium-Duty Fahrzeuge
  • adaptierbar für 4x2-, 6x4- und 6x2-Antrieb

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